Post-Development und Postkoloniale Perspektiven

Kritische Interventionen zwischen Theorie und Praxis

 

Linking Relief, Rehabilitation, and ‘Development’? Postkoloniale Perspektiven auf den Resilienz-Diskurs in der internationalen Zusammenarbeit 

Internationale ‘Entwicklungs’-Theorien haben eine lange Geschichte des Wandels hinter sich. Von Modernisierungs- über Dependenztheorien bis zu sogenannter nachhaltiger Entwicklung. Die Mehrzahl dieser Konzepte beziehen sich auf langfristige ‘Entwicklungs-‘Ansätze – ebenso wie die Kritik, die daran geäußert wird, sei es etwa aus postkolonialer oder Post-Development-Perspektive. Die humanitäre Hilfe wird innerhalb dieser Konzepte – und desgleichen in der Kritik an eben diesen – selten explizit beachtet. Mit der Idee transitionaler Entwicklungszusammenarbeit und dem Ansatz von ‘Linking Relief, Rehabilitation, and Development (LRRD)’, welcher von Institutionen wie dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Deutschland, sowie von zahlreichen NGOs mehr und mehr implementiert wird, wird die Lücke zwischen humanitärer Hilfe und klassischer EZ geschlossen.

Das Konzept ‘Resilienz’ (knapp übersetzbar mit Widerstandsfähigkeit) hat zuletzt zunehmend an Popularität gewonnen und erlebt, z.B. innerhalb von LRRD im Bereich der Katastrophenprävention, einen enormen und für ‚Entwicklungs’-Politik und -Praxis folgenreichen Aufschwung. Die aktuelle Fetischisierung und Naturalisierung dieses Konzepts – welche an die lange Zeit unhinterfragte positive Überhöhung von ‚Entwicklung’ erinnert – lässt kritische Wissenschaftler*innen aufhorchen. Postkoloniale Studien und die darin u.a. angewandten Methoden der Diskursforschung haben in den letzten Jahren wertvolle Beiträge geleistet, um den Entwicklungsdiskurs kritisch zu beleuchten und de-kolonialisierend zu intervenieren.

Auf Basis der Ergebnisse und Methoden aus dieser Forschungsrichtung, stellt dieser Beitrag die Frage: Was bedeutet es (und welche Gefahren birgt es), wenn das Konzept ‚Resilienz’ und dessen Implementierung im Bereich der humanitären Hilfe unangefochten Denkstrukturen kolonisiert und warum ist eine kritische Intervention in den aktuellen Resilienz-Diskurs notwendig?

Über Elena

Nach einem B.Sc. in Wirtschaftswissenschaften an der FU Berlin und der Sorbonne in Paris beendet Elena zur Zeit ihr Studium im interdisziplinären M.A. International Development Studies an der Philipps-Universität Marburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Postcolonial Studies und Critical Development Studies mit Fokus auf Entwicklungsdiskursen, Subjekt-Konstruktionen und globalen vs. lokalen Normen, ebenso wie den angelehnten Themen Critical Whiteness, Gender, Intersektionalität und globale Machtverhältnisse. Arbeitserfahrung in der EZA hat sie in Tanzania (nachhaltiger Tourismus) und Haiti (Katastrophenprävention) gesammelt.

 

Die postkoloniale Praxis der EZA aus Sicht des Post-Development. Kritik und Gegenkritik

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit einigen Schwierigkeiten der Entwicklungszusammenarbeit, die der Post-Development Ansatz aufzeigt. Auch wenn sich die EZA in den letzten Jahrzehnten positiv verändert hat, gibt es genug mögliche Kritikpunkte, die in der Praxis der EZA hilfreich sein können. Dies zeige ich mit einem persönlichen Beispiel auf. PostdevelopmentalistInnen betrachten das gesamte Entwicklungskonzept als obsolet. Dass die EZA, solange sie auf universeller Solidarität basiert, auch sinnvoll sein kann, ist meine Schlussfolgerung.

Über Lena

Lena Turek studiert Kultur-und Sozialanthropologie und Transkulturelle Kommunikation an der Universität Wien. Innerhalb und außerhalb ihres Studiums beschäftigt sie sich mit Entwicklungsprojekten.

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