Forumtheateraufführung “Das ist doch gut für dich!”

…oder: “Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht.”

Die Kritik des Post-Development hat eine grundlegende Kritik an EZA und Hilfe im allgemeinen als kolonial und abhängig machend formuliert, als Alternative wird Hilfe oft ganz verdammt. Hilfe wird aber trotz dieser Kritik weiter geleistet und hört nicht einfach auf. Wir glauben auch, dass Hilfe weiter geleistet werden sollte. Hier zeigt sich die enge Verbindung des Begriffs “Hilfe” mit dem Solidaritätsbegriff. Wie können wir als Privilegierte am besten helfen? Dabei hinterfragen uns selbst als Aktivist_Innen (für wen oder was kämpfen wir eigentlich? Sollte unsere politische Idee auch die der ganzen Welt sein?). Inwiefern reproduzieren Aktivist_Innen missionarische Dynamiken aus der Hilfe? Wir fragen und wissen nicht: Wie geht “wirklich” helfen? Wie kann nicht übergriffige Hilfe aussehen und nicht verletzend sein?

Wir glauben, dass Hilfe extrem kontextabhängig wird und mit Emotionen verknüpft ist, die mit Forumtheater gut herausgearbeitet werden können. Forumtheater ist eine politische Theaterform des brasilianischen Theatermachers Augusto Boal, bei der Zuschauer_Innen, SpectActors also Zuschauspielende werden, indem sie auf der Bühne eine gezeigte Handlung im Unterdrückungskontext aktiv verändern.Wir zeigen einige solcher Situationen im Kontext von aktuellen Dynamiken der Hilfe für Geflüchtete in Europa. Wir wissen selbst nicht, wie Hilfe am besten geleistet werden kann und halten das Fragen an sich für eine gute Art, mit unserer Unsicherheit umzugehen. Wir arbeiten an den Vorurteilen, die in uns als vorgeblich kritischen und antirassistischen Menschen trotzdem noch wirken. Zuschauspieler_Innen können nach unserer Aufführung in die gezeigten Szenen einsteigen und gemeinsam erarbeiten wir Arten von Hilfe, die uns hoffentlich besser gefallen.

English summary:
Aid has been criticized by Post-Development as making dependant. But helping other people always stood in a context of solidarity and is luckily still provided. How can privileged people help in a better way? We reflect our own activism.
We believe that forum theatre as an art form in which spectators become specActors by entering the stage space is a suitable method for that. Our play is set in the context of „helping“ refugees in Europe. We don’t know the best way either and work with our own (racist) stereotypes and acts that we are not free of, even if we call ourselves critical, reflecting and anti-racist.

Über ReflActiv
Das ReflActiv ist eine Theatergruppe des Vereins Theater der Unterdrückten Wien und besteht seit 2012. Seitdem sind unterschiedliche Forumtheaterprojekte, Theaterprojekte im öffentlichen Raum und andere künstlerische Auseinandersetzungen entstanden.

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